Über die deutsche Sprache
Ich hatte als damals mittelmäßiger Schüler immer gedacht, eine schöne, ausdrucksstarke, geschliffene Sprache ist ein wertvolles Gut, der alle Deutschen in einem Land der Dichter und Denker zu vervollkommen trachten. Klar, man kann sich nicht immer über die korrekte Schreibweise sicher sein. Dazu gibt es Google, das einem in Sekundenschnelle die richtige Schreibweise anzeigt. Die automatische Wortergänzung im Smartphone produziert ihre eigenen Fehler. Davon will ich nicht sprechen, das kann passieren.Was mich aber richtig nervt ist die Einstellung: "Ist doch egal" und die "hohe" Kunst besonders bei Politikern mit möglichst vielen Worten und neu erfundenen Anglizismen möglichst wenig zu sagen. Obwohl ich selbst im Beruf zwangsläufig mit vielen englischen Fachbegriffen zu tun hatte, finde ich es schrecklich, wenn englische Worte ohne zwingenden Grund benutzt werden, zumal es diese Worte im englischen häufig gar nicht gibt. Die häufige Aussage: "Wir wollen doch international sein" ist der blanke Hohn, wenn man sich dieses Kauderwelsch anhören muss. Ketzerisch gesehen, die Sprecher wollen Tiefgründigkeit und Fachkenntnis vorgaukeln. Mich graut es jedes Mal, wenn ich mir offizielle Reden anhören muss. Hoffentlich wissen die Redner selber, wovon sie sprechen.
Es spricht natürlich überhaupt nichts dagegen in Fachbüchern, die passenden englischen Fachbegriffe zu benutzen, weil sie erstens von Fachmann verstanden werden und weil die Fachbegriffe in der Regel eindeutiger sind, als die deutschen Synonyme. Aber ich muss auch mit den Geisteswissenschaftlern, wie Soziologen, Politologen, Philosophen usw. ins Gericht gehen. Wenn man dort jedes einzelne unbekannte Wort nachschlägt, um deren Bedeutung zu ergründen, stösst man in der Regel im Ergebnis auf sehr banale Aussagen, die man mit umgangssprachlichen Worten viel deutlicher, kürzer und klarer hätte sagen können.
Obwohl ich das Einstreuen von angeblich englischen Wörtern hasse, finde ich es sehr wohl sehr wichtig, möglichst gut Englisch sprechen, schreiben und lesen zu können, weil eben die Welt immer internationaler wird. Aber dann richtiges Englisch und nicht nur einzelne Worte. Erstens macht Englisch lernen richtig Spass. Naja, mir jedenfalls. Und zweitens ist es im Urlaub nützlich, weil überall auf der Welt Englisch mehr oder weniger gut gekonnt wird. (Selbst in der Ukraine wird überlegt, Englisch und nicht Russisch als zweite Amtssprache einzuführen.) Und drittens man versteht natürlich die Anglizismen viel besser und grinst ein wenig, wenn es die im Englischen nicht gibt. Zur Ehrenrettung der Deutschen muss man natürlich sagen, dass diejenigen, die Englisch als Muttersprache sprechen, auch nicht besser in der Rechtschreibung sind. (Trump's Rechtschreibfehler sind berühmt und gehen durch die Weltpresse.) Das soll für uns aber keine Ausrede sein.
Mein Wunschtraum: Wie wäre es, wenn nicht die golden Uhr, das Luxusauto, die Yacht in der Adria Statussymbole wären, sondern die elegante geschliffene Sprache. Die einen sind die Neureichen, die anderen die Gebildeten.
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