Freitag, 24. Februar 2023

Lernen

 

Nürnberger Trichter

Hier auf YouTube nimmt die Zahl der "Coaches" explosionsartig zu. Sie kommen aus allen Löchern gekrochen, wie die Maikäfer alle 7 Jahre.

Woran liegt es nur? Einen schlüssigen Beweis habe ich nicht, aber eine Vermutung.

Was wollen die sogenannten Coaches uns lehren? Die Liste ist lang. 

  • Wie man in wenigen Tagen ohne eigene Arbeit zum Millionär wird. 

  • Wie man ewig jung und fit bleibt. 

  • Wie man die höhere Erleuchtung erreicht. 

  • Wie man durch ein bestimmtes Lebensmittel rank und schlank wird. 

Die Liste ließe sich noch fortsetzen. Allen gemeinsam ist, dass sie einfache Antworten auf komplexe Fragen liefern. Woher kommt nun diese. Nachfrage nach einfachen Lösungen?  

Die Welt wird immer komplizierter. Viele fühlen sich überfordert. Dabei ist der Nächste doch vermeintlich soviel reicher, gesünder, glücklicher. Wieso hat der Andere es geschafft und ich nicht. Da gibt es doch diese ganz sichere Methode, um in ganz kurzer Zeít ohne kaufmännische Grundkenntnisse richtig reich zu werden. Da gibt es jemand, der die ultimative Marketingmethode entwickelt hat, um die Umsätze zu verhundert fachen. Immer wird eigentlich unmögliches versprochen. Die Lösung kann man kaufen.

Die bittere Wahrheit ist, alle diese Methoden funktionieren nicht, weil Grundregeln der Marktwirtschaft verletzt werden. Wunderheiler waren im Mittelalter Wunderheiler und sind es heute genauso. Aber der Kunde lechst danach, er will unbedingt über den Tisch gezogen werden. Warner aus dem Umfeld sind Spielverderber, die den Erfolg nicht gönnen. Der Verstand wird ausgeschaltet.

Das der Verstand ausgeschaltet wird, zeigt sich auch an zwei beliebten TV-Shows. Bei DSDS z.B. krächsen Dieter Bohlen junge Leute was vor und ihre ganze Lebensplanung fällt wie ein Kartenhaus in sich zusammen, wenn Dieter die Wahrheit sagt. 

Die Bewerber glauben ohne jede Ausbildung Superstar werden zu können. Bei Heidi Klums Sendung ist es dasselbe.

Allem gemeinsam ist der Irrglaube, man könne den Erfolg mit minimalen Einsatz erkaufen.

Dabei ist der Erfolg durchaus möglich, nur ist dieser nur mit harter Arbeit und mit ganz viel Lernen erreichbar. Das Lernen scheint mir der Knackpunkt zu sein. Viele fürchten es wie der Teufel das Weihwasser. Ich erlebe die Beweise im Alltag. Da werden Bedienungsanleitungen nicht gelesen. Tauchen irgendwo englische Worte auf, wird anstatt sie zu übersetzen einfach abgeschaltet.

Eigentlich sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, unbekanntes sofort nachzuschlagen. Duden, Brockhaus, Fremdwörterbuch und Englischwörterbuch waren in meiner Jugend in ständiger Benutzung. Heute erledigt alles das Smartphone. Egal wie man es macht, jeder hat die Möglichkeit sich fortzubilden. Dafür braucht man kein Geld. Früher und heute gibt es die öffentlichen Büchereien. Ob man selber oder die Eltern wohlhabend sind ist vollkommen ohne Belang.

Die Forderung nach lebenslangem Lernen scheint für die meisten eine unverständliche Zumutung zu sein.

Ich habe als Kind immer gedacht, wir Deutschen sind ein Volk der Dichter und Denker. Ein Volk der Neugierigen, der Forscher und der Fortschrittsoffenen nach Humboldtschen Vorbild. Umso älter ich würde, desto mehr musste ich feststellen, dass das eine Illusion ist. Schon Humboldt hat das preußische Schulwesen nicht reformieren können. Auch heute erleben Schüler die Schule als einen Ort des stumpfsinnigen Auswendiglernens. (Von Ausnahmen abgesehen.) 

Kein Wunder, dass Lernen etwas ist, das man möglichst schnell hinter sich bringt und auf keinen Fall mit Spaß und Freude assoziiert.

Ständiges Lernen ist eines der wichtigsten Produktionsfaktoren eines Landes geworden. Ich befürchte den langsamen aber stetigen Untergang Deutschlands und des Abendlandes.